Wer nach einer Cloudflare-Alternative sucht, tut das meist aus einem von zwei Gründen: Klumpenrisiko oder Rechtssicherheit. Dieser Vergleich zeigt CDN-Anbieter aus Deutschland und Europa nach den Kriterien, die in Ausschreibungen tatsächlich abgefragt werden: Serverstandorte, PoP-Verteilung, Preismodell, AVV und Support-Sprache.
Inhaltsverzeichnis
- Warum das Thema gerade jetzt Konjunktur hat
- Zuerst klären: Was wollen Sie überhaupt ersetzen?
- Die Anbieter im Überblick
- So wurde verglichen
- profihost Managed CDN (Deutschland)
- Myra Security (Deutschland)
- Link11 (Deutschland)
- Bunny.net (Slowenien)
- Gcore (Luxemburg)
- KeyCDN (Schweiz)
- CDN77 (Tschechien)
- OVHcloud (Frankreich)
- Leaseweb (Niederlande)
- ClouDNS (Bulgarien) – nur DNS
- Managed CDN von profihost
Warum das Thema gerade jetzt Konjunktur hat
Am 18. November 2025 legte eine fehlerhafte interne Konfigurationsänderung bei Cloudflare kein Angriff für rund drei Stunden große Teile des Internets lahm, darunter ChatGPT, X, Discord und Spotify. Am 20. Februar 2026 folgte ein BGP-Vorfall, bei dem Routen von BYOIP-Kunden zurückgezogen wurden; die Störung dauerte nach Angaben des Anbieters 6 Stunden und 7 Minuten. Parallel steigt der regulatorische Druck: NIS2 ist seit Dezember 2025 in Kraft und verpflichtet rund 30.000 Unternehmen in Deutschland zu nachweisbaren Cybersicherheitsmaßnahmen, inklusive Lieferkettensicherheit.
Der wichtigste Punkt für die Anbieterauswahl: Datenresidenz und Datensouveränität sind nicht dasselbe. Ein US-Anbieter kann Daten in Frankfurt speichern und trotzdem verpflichtet sein, sie an US-Behörden herauszugeben. Prüfen Sie also nicht nur den Rechenzentrumsstandort, sondern auch die Konzernmutter.
Zuerst klären: Was wollen Sie überhaupt ersetzen?
Cloudflare ist eine Produktfamilie, kein einzelnes Produkt daran scheitern die meisten Wechselprojekte. Reines Caching ersetzen Sie unkompliziert, bei DDoS-Schutz und WAF wird das Feld enger, deckt aber Myra oder Link11 ab. Nur für Workers und Edge Computing gibt es derzeit keinen gleichwertigen europäischen Ersatz das ist ein eigenes Projekt, kein Nebenbei-Umzug. In der Praxis entsteht ein Best-of-Breed-Stack aus zwei bis drei Anbietern, und genau das verteilt das Risiko, wegen dem Sie den Wechsel erwägen.
Der Maßstab, an dem sich die folgenden zehn Anbieter messen: Cloudflare betreibt über 300 PoPs, bietet einen kostenlosen Einstiegstarif, stützt den Datentransfer auf das EU-U.S. Data Privacy Framework und supportet auf Englisch.
Die Anbieter im Überblick
So wurde verglichen
Alle Angaben stammen aus öffentlich zugänglichen Quellen der Anbieter und aus unabhängigen Vergleichsportalen. Die Zahl der Points of Presence (PoPs) also der Standorte, an denen ein Anbieter Inhalte zwischenspeichert und ausliefert, sowie die Preise ändern sich häufig; prüfen Sie beides vor Vertragsschluss. Wo belastbare Angaben fehlen, steht das ausdrücklich dabei statt einer Schätzung.
profihost Managed CDN (Deutschland)
Beim Managed CDN von profihost steht neben der Auslieferung von Inhalten vor allem der Betrieb im Mittelpunkt. Cache-Keys, Purging und Origin Shield werden für E-Commerce-Anwendungen wie Shopware, OXID oder Pimcore konfiguriert. Dabei wird auch berücksichtigt, welche Bereiche eines Shops, beispielsweise der Checkout, nicht gecacht werden dürfen. Zum Angebot gehören ein deutscher AVV, deutschsprachiger Support mit festem Ansprechpartner und eine individuelle Preisgestaltung auf Basis des Traffic-Profils. Auslieferungsnetz und Verarbeitungsorte werden im Setup festgelegt und vor Vertragsschluss dokumentiert.
Stärken: Persönlich betreuter und auf E-Commerce-Anwendungen abgestimmter CDN-Betrieb.
Myra Security (Deutschland)
Myra Security setzt vollständig auf deutsche Rechenzentren und verzichtet auf Routing durch Nicht-EU-Jurisdiktionen sowie auf Drittland-Subdienstleister. Der Anbieter ist nach ISO 27001 auf Basis von BSI IT-Grundschutz zertifiziert, verfügt über ein BSI-C5-Typ-2-Testat und erfüllt alle 37 BSI-Kriterien für qualifizierte DDoS-Mitigation. Zum Kundenkreis gehören unter anderem Bundesbehörden, Finanzinstitute und KRITIS-Betreiber. Ein deutscher AVV und deutschsprachiger Support rund um die Uhr ergänzen das Angebot. Preise gibt es auf Anfrage.
Stärken: Hohe Anforderungen an Sicherheit, Compliance und Datensouveränität.
Link11 (Deutschland)
Link11 kombiniert DDoS-Schutz, Web Application Firewall (WAF) und Bot-Management in einer WAAP-Plattform. Dafür stehen mehr als 42 Points of Presence und 13 Scrubbing-Center zur Verfügung. Hinzu kommen ein deutscher Gerichtsstand, ein deutscher AVV und deutschsprachiger Support. Die Preise werden individuell auf Anfrage angeboten.
Stärken: Umfassender Schutz vor Angriffen und eine starke Ausrichtung auf Web-Security.
Bunny.net (Slowenien)
Bunny.net betreibt 119 Points of Presence in 82 Ländern und ist unabhängig von einer US-Konzernmutter. Die Abrechnung erfolgt nach dem Pay-as-you-go-Prinzip und beginnt in Europa und Nordamerika bei 0,01 US-Dollar pro GB. Eine Vertragsbindung gibt es nicht. Über Routing-Filter lassen sich gecachte Dateien gezielt auf EU-PoPs beschränken. In unabhängigen CDNPerf-Messungen gehört Bunny.net regelmäßig zu den schnellen CDN-Anbietern.
Stärken: Transparentes Preismodell, internationale Abdeckung und die Möglichkeit, gecachte Inhalte auf EU-PoPs zu beschränken.
Gcore (Luxemburg)
Gcore verfügt über mehr als 210 Points of Presence und eine Netzwerkkapazität von über 200 Tbit/s. Die durchschnittliche Antwortzeit liegt laut Anbieter bei rund 30 Millisekunden. Neben einem kostenlosen Einstiegstarif bietet Gcore einen globalen Einheitstarif. Ein EU-AVV ist verfügbar, der Support erfolgt auf Englisch. Vom Funktionsumfang kommt das Angebot Cloudflare innerhalb dieses Vergleichs besonders nahe.
Stärken: Große internationale Infrastruktur und breiter Funktionsumfang für die globale Auslieferung.
KeyCDN (Schweiz)
KeyCDN setzt auf ein transparentes Pay-as-you-go-Modell. Für Europa und Nordamerika beginnen die Preise bei 0,04 US-Dollar pro GB und sinken bei größeren Traffic-Mengen bis auf 0,01 US-Dollar pro GB bei mehr als 100 TB. Zum Einstieg steht eine Testphase mit 25 GB zur Verfügung. Der Support erfolgt auf Englisch.
Stärken: Einfaches und transparentes Abrechnungsmodell, insbesondere für die Auslieferung statischer Inhalte.
CDN77 (Tschechien)
CDN77 betreibt 200 Points of Presence in 130 Ländern und verfügt über eine Netzwerkkapazität von 290 Tbit/s. Ein Schwerpunkt liegt auf der Auslieferung großer Mediendateien und Videos. Statt einer klassischen Pay-per-GB-Abrechnung arbeitet der Anbieter mit planbasierten Modellen, wodurch sich die monatlichen Kosten besser kalkulieren lassen. Ein EU-AVV ist verfügbar, der Support erfolgt auf Englisch.
Stärken: Internationale Infrastruktur und starke Ausrichtung auf Video und große Mediendateien.
OVHcloud (Frankreich)
OVHcloud betreibt eigene Rechenzentren in Europa und bietet CDN-Funktionen als Bestandteil eines breiteren Cloud-Portfolios an. Für die Leistungen gibt es Listenpreise sowie einen EU-AVV. Deutschsprachiger Support ist ebenfalls verfügbar.
Stärken: Cloud, Hosting und Content-Auslieferung können bei einem europäischen Anbieter gebündelt werden.
Leaseweb (Niederlande)
Leaseweb verbindet CDN, DDoS-Schutz und Geoblocking mit einer eigenen Hosting- und Rechenzentrumsinfrastruktur in Europa. Ein EU-AVV ist verfügbar. Der Support erfolgt grundsätzlich auf Englisch und kann abhängig vom gewählten Vertrag auch auf Deutsch angeboten werden.
Stärken: Hosting-Infrastruktur und Content-Auslieferung lassen sich bei einem Anbieter bündeln.
ClouDNS (Bulgarien) – nur DNS
ClouDNS nimmt in diesem Vergleich eine Sonderrolle ein, da der Anbieter kein klassisches CDN ersetzt. Stattdessen liegt der Schwerpunkt auf DNS. Das Netzwerk umfasst 65 Anycast-PoPs und verarbeitet mehr als 16 Milliarden Abfragen täglich. Es stehen verschiedene gestaffelte Tarife einschließlich einer kostenlosen Einstiegsvariante zur Verfügung. Damit kann ClouDNS interessant sein, wenn nicht die Content-Auslieferung, sondern die DNS-Infrastruktur unabhängig aufgestellt werden soll.
Stärken: Geeignet, um autoritatives DNS von der eigentlichen Content-Auslieferung zu trennen.
Managed CDN von profihost
Ein CDN wirkt nur so gut, wie es konfiguriert ist. Genau hier setzt unser Managed CDN an: Wir richten es passend zu Ihrer Shop-Architektur ein, definieren die Caching-Regeln gemeinsam mit Ihnen und stimmen sie auf Ihre personalisierten Bereiche ab damit Warenkorb und Checkout korrekt funktionieren und cachebare Seiten tatsächlich vom Edge kommen.
Websites und Shops laden schneller, was Conversion und Einkaufserlebnis verbessert. Die optimierte Performance wirkt sich zudem positiv auf Rankings und Sichtbarkeit aus.
Weil ein CDN selten allein die Antwort ist, betrachten wir es als einen Baustein von mehreren: Redis Caching zur Entlastung Ihrer Datenbank, Elasticsearch für eine performante Volltextsuche, Tideways PHP-Profiling für die gezielte Suche nach Engpässen im Code. Welche Kombination in Ihrem Projekt sinnvoll ist, klären wir vorher anhand Ihrer Messwerte, nicht anhand einer Produktliste.
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