Valkey ist ein quelloffener In-Memory-Datenspeicher, der 2024 als Abspaltung (Fork) von Redis entstanden ist und seitdem von der Linux Foundation weiterentwickelt wird. Für die meisten Online-Shops, die Redis intern als Cache oder Session-Speicher nutzen, schränkt die Lizenzänderung von Redis den Betrieb nicht direkt ein. Sie verändert aber die Frage, welche Software Sie langfristig einsetzen, wer sie pflegt und wie planbar Ihre Infrastruktur bleibt.
In diesem Artikel erfahren Sie, was genau passiert ist, worin sich Valkey und Redis heute unterscheiden und welche Entscheidung für Ihren Shop sinnvoll ist.
Inhaltsverzeichnis
- Was ist passiert? Die Lizenzänderung im Überblick
- Was bedeuten die Lizenzen konkret?
- Betrifft die Lizenzänderung meinen Online-Shop?
- Warum das Thema trotzdem wichtig ist
- Valkey vs. Redis: Die Unterschiede im Vergleich
- Welche Lösung passt zu Ihrem Shop?
- Wie aufwendig ist ein Wechsel von Redis zu Valkey?
- Managed Hosting: Die Entscheidung nicht allein treffen
- Fazit: Lizenzfrage klären, dann nach technischem Bedarf entscheiden
Was ist passiert? Die Lizenzänderung im Überblick
Redis war über viele Jahre unter der freien BSD-Lizenz verfügbar und wurde dadurch zum Standard für Caching in Shopware-, OXID- und Magento-Shops. 2024 änderte sich das grundlegend.
Die wichtigsten Stationen:
- März 2024: Redis Ltd. kündigte an, den Kern von Redis ab Version 7.4 unter die Lizenzen RSAL und SSPL zu stellen beides Source-Available-Lizenzen und keine freie Software.
- Kurz darauf: Innerhalb einer Woche gab die Linux Foundation Valkey bekannt, einen Fork von Redis 7.2.4, unterstützt von AWS, Google Cloud, Oracle, Ericsson und Snap.
- Mai 2025: Ab Redis 8 können Nutzer zwischen drei Lizenzen wählen: RSALv2, SSPLv1 und AGPLv3. Damit ist Redis wieder unter einer von der Open Source Initiative anerkannten Lizenz erhältlich.
- 2025/2026: Valkey entwickelt sich eigenständig weiter. Valkey 9.0 erschien im Oktober 2025, im Mai 2026 folgte Valkey 9.1.
Wichtig für den Bestand: Redis 7.2.x und ältere Versionen bleiben unter der BSD-Lizenz, die Versionen 7.4.x bis 7.8.x unter der dualen RSALv2/SSPLv1-Lizenz.
Was bedeuten die Lizenzen konkret?
Die drei Redis-Lizenzen klingen komplex, lassen sich aber auf wenige Kernaussagen reduzieren:
- RSALv2 (Redis Source Available License): verbietet in der Praxis, Redis als kommerziellen Managed Service anzubieten.
- SSPLv1 (Server Side Public License): verlangt von jedem, der Redis als Dienst anbietet, den gesamten Service-Stack unter SSPL offenzulegen.
- AGPLv3: eine anerkannte Open-Source-Lizenz. Wer eine veränderte Version als Netzwerkdienst betreibt, muss den Nutzern dieses Dienstes den Quellcode zugänglich machen.
Valkey dagegen steht unter der BSD-3-Clause-Lizenz – genau der Lizenz, die Redis vor der Änderung hatte und wird von der Linux Foundation verwaltet.
Betrifft die Lizenzänderung meinen Online-Shop?
In den meisten Fällen nicht unmittelbar. Für die große Mehrheit der Nutzer, die Redis intern und unverändert als Cache oder Queue betreiben, schränkt keine dieser Lizenzen etwas ein.
Relevant wird das Thema, wenn einer dieser Punkte auf Sie zutrifft:
- Sie bieten als SaaS-Anbieter oder Plattformbetreiber einen Redis-kompatiblen Dienst für Dritte an.
- Sie liefern Redis als Teil eines eigenen Produkts an Kunden aus.
- Ihre Rechts- oder Compliance-Abteilung schließt Software mit Nicht-OSI- oder Copyleft-Lizenzen grundsätzlich aus. Viele Rechtsabteilungen behandeln die AGPL pauschal als Ausschlusskriterium.
- Sie verändern den Redis-Quellcode selbst und stellen ihn über das Netz bereit.
Für Digitalagenturen, die Shop-Infrastruktur für mehrere Kunden betreiben, lohnt sich deshalb ein genauerer Blick. Für einen klassischen Shopware-Shop mit Redis als Cache ist die Lizenz selten der ausschlaggebende Faktor.
Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine Rechtsberatung. Bei Unsicherheiten zur Lizenzkonformität Ihres Setups sollten Sie Ihre Rechtsabteilung oder einen spezialisierten Anwalt hinzuziehen.
Warum das Thema trotzdem wichtig ist
Auch wenn die Lizenz Ihren Betrieb nicht direkt einschränkt, hat die Aufspaltung praktische Folgen:
- Updates und Sicherheit: Wer bewusst auf der letzten BSD-Version von Redis (7.2) bleibt, um Lizenzfragen zu umgehen, arbeitet mit einem Versionsstand, der sich nicht mehr weiterentwickelt. Für ein produktives Shop-System ist das langfristig keine Option.
- Ökosystem: Hersteller, Cloud-Anbieter und Linux-Distributionen richten sich neu aus. AWS hat bei ElastiCache für neue Cluster standardmäßig auf Valkey umgestellt.
- Shop-Software: Shopware hat sich klar positioniert. In den Systemanforderungen nennt Shopware Valkey als empfohlenen Key-Value-Store; unterstützt werden daneben Redis ab Version 7, Redict, KeyDB und Dragonfly.
- Auseinanderentwicklung: Bis Anfang 2026 haben sich beide Projekte spürbar auseinanderentwickelt auf Befehlsebene sind sie noch zu rund 90 Prozent kompatibel, aber nicht mehr identisch.
Valkey vs. Redis: Die Unterschiede im Vergleich
Lizenz
- Valkey: BSD-3-Clause, freie Open-Source-Lizenz
- Redis 8: Wahl zwischen RSALv2, SSPLv1 und AGPLv3
Steuerung des Projekts
- Valkey: Linux Foundation, getragen von einer breiten Community und großen Cloud-Anbietern
- Redis: Redis Ltd. als Unternehmen
Kompatibilität
- Valkey: Basis ist Redis 7.2.4, gleiches Protokoll, gleiche Client-Bibliotheken (z. B. phpredis)
- Redis: Referenzimplementierung des Protokolls
Neue Funktionen
- Valkey 9.x: Ablaufzeiten für einzelne Hash-Felder, atomare Slot-Migration und mehrere Datenbanken im Cluster-Modus; mit 9.1 zusätzlich automatisches Neuladen von TLS-Zertifikaten und datenbankbezogene Zugriffsrechte (ACLs)
- Redis 8: neuer Datentyp Vector Sets sowie JSON, Time Series und die Redis Query Engine direkt im Kern
Stärken
- Valkey: Lizenzsicherheit, Skalierung und Betrieb im Cluster
- Redis: integrierteres Angebot, wenn Caching mit Vektor-Ähnlichkeitssuche kombiniert werden soll
Für typische Shop-Szenarien wie HTTP-Cache, Sessions, Warenkorb oder Lock-Store sind beide Systeme leistungsfähig genug. Die Unterschiede liegen vor allem in Lizenz, Governance und Zusatzfunktionen jenseits des klassischen Cachings.
Welche Lösung passt zu Ihrem Shop?
Valkey ist in der Regel die richtige Wahl, wenn …
- Sie Redis heute als Cache, Session-Speicher oder für den Warenkorb nutzen.
- Sie Shopware 6 einsetzen und der Herstellerempfehlung folgen möchten.
- Ihr Unternehmen Wert auf eine klare Open-Source-Lizenz ohne Copyleft legt.
- Sie als Agentur Infrastruktur für mehrere Kunden betreiben.
Redis kann sinnvoll bleiben, wenn …
- Sie gezielt Funktionen wie Vector Sets, JSON oder die Redis Query Engine nutzen, etwa für KI-gestützte Produktsuche.
- Ihre Anwendung von Redis-spezifischen Modulen abhängt.
- Sie ohnehin einen kommerziellen Vertrag mit Redis Ltd. haben.
Im Zweifel gilt: Treffen Sie die Entscheidung nach technischem Bedarf und Compliance-Vorgaben – nicht aus Gewohnheit.
Wie aufwendig ist ein Wechsel von Redis zu Valkey?
Für die meisten Shops ist der Umstieg überschaubar, da Valkey dasselbe Protokoll spricht und bestehende Client-Bibliotheken weiter funktionieren. Trotzdem sollten Sie strukturiert vorgehen:
- Bestandsaufnahme: Welche Redis-Version läuft aktuell? Welche Daten liegen darin (Cache, Sessions, Warenkorb, Queues)? Werden Redis-Module genutzt?
- Kompatibilität prüfen: Shop-Version, Plugins und eigene Erweiterungen auf Redis-spezifische Befehle oder Module prüfen.
- Staging-Test: Valkey in einer Testumgebung parallel betreiben und typische Shop-Abläufe durchspielen vom Login bis zum Checkout.
- Konfiguration übernehmen: Speicherlimits und Eviction-Policies sauber übertragen. Shopware empfiehlt etwa für flüchtige Daten wie Sessions allkeys-lru und für dauerhaft benötigte Daten wie Warenkorb oder Lock-Store volatile-lru.
- Migration planen: Persistente Daten (z. B. Warenkörbe) übernehmen, reine Cache-Daten können neu aufgebaut werden. Umstellung außerhalb der Hauptverkaufszeiten durchführen.
- Monitoring: Antwortzeiten, Speicherverbrauch und Fehlerraten nach dem Wechsel genau beobachten.
Praxisbeispiel: Ein mittelgroßer Shopware-Shop nutzt Redis für HTTP-Cache und Sessions. Der Cache kann beim Wechsel einfach geleert und neu aufgebaut werden, Sessions werden entweder migriert oder Kunden melden sich einmalig neu an. Kritisch sind vor allem persistente Daten wie Warenkörbe hier lohnt sich die Migration im Staging vorab.
Managed Hosting: Die Entscheidung nicht allein treffen
Ob Redis oder Valkey entscheidend für Ihren Shop ist, dass der Cache stabil, sicher und performant läuft. Genau hier setzt Managed Hosting an: Updates, Sicherheitspatches, Konfiguration und Überwachung übernimmt Ihr Hosting-Partner, damit Sie sich auf Ihr Geschäft konzentrieren können.
Mit dem Redis FlexServer von profihost erhalten Sie einen dedizierten In-Memory-Key-Value-Store für Ihren Online-Shop:
- Entlastung Ihrer Datenbank durch Caching häufig abgerufener Daten im Arbeitsspeicher
- Hochverfügbarkeit mit dreifach redundanter Architektur und automatischem Failover
- Horizontale Skalierung für Lastspitzen wie Black Friday oder Kampagnen
- Individuell anpassbare Konfiguration für Shopware, OXID, Magento und Pimcore
- Persönliche Beratung durch das profihost-Team – ohne Callcenter
Sie möchten wissen, welche Lösung für Ihren Shop die richtige ist oder planen einen Wechsel? Sprechen Sie mit unseren Experten. Redis Caching entdecken.
Fazit: Lizenzfrage klären, dann nach technischem Bedarf entscheiden
Die Lizenzänderung von Redis hat den Markt neu sortiert. Mit Valkey steht eine freie, breit unterstützte Alternative bereit, die für die meisten Online-Shops funktional gleichwertig ist und von Shopware ausdrücklich empfohlen wird. Redis bleibt eine Option, wenn Sie gezielt seine neuen Funktionen nutzen möchten.
Für Shopbetreiber heißt das: Kein Grund zur Panik, aber ein guter Anlass, das eigene Caching-Setup zu überprüfen. Ein erfahrener Hosting-Partner hilft Ihnen, die passende Lösung auszuwählen und sicher zu betreiben.