Bulgarien setzt auf Open Source

Das Parlament in Sofia, wo über das Open Source-Gesetz abgestimmt wurde Foto: Tony Bowden © CreativeCommons CC BY SA 2.0

„Bulgarien verabschiedet ein Open Source-Gesetz“ – für ein wenig Aufregung hat die Nachricht schon gesorgt, als Bulgarien Anfang Juli ein neues Gesetz zum Einsatz von Open-Source-Software erließ. Hintergrund ist die Idee, dass mit öffentlichen Geldern finanzierte Programme auch der Öffentlichkeit zur Nutzung zugänglich sein sollen. Dies gilt für Anwendungen, die neu in Auftrag gegeben werden. Das neue Gesetzt bedeutet also nicht, dass die öffentliche Verwaltung komplett auf Open Source umgestellt wird. Laut einem Bericht im Linux Magazin sollen die Quelltexte auf Github gespiegelt werden. So sollen sie interessierten Entwicklern zugänglich gemacht werden.

Ein Kommentar in der t3n befürwortet die bulgarische Initiative und zählt eine ganze Reihe weiterer Länder auf, die ähnliche Regelungen erlassen haben – darunter Norwegen, Schweden, Portugal und Brasilien, aber auch die USA. Neben dem Argument, dass der Allgemeinheit auch gehören soll, was von ihr finanziert wurde, ist auch der Sicherheitsaspekt von Bedeutung. Denn es kann nicht ausgeschlossen werden, dass in proprietärer Software „auf Anordnung von Oben“ Hintertüren eingebaut sind, über welche z.B. Geheimdienste Informationen abziehen können. Auch „normale“ Sicherheitslücken werden von vielen Augen natürlich ebenfalls besser gesehen.

Einen schönen Überblick über den Einsatz von Open-Source-Software in öffentlichen Einrichtungen gibt dieser Eintrag auf der Wikipedia. Demnach gibt es auch in Deutschland vereinzelte Vorstöße, Open-Source-Programmen den Vorzug zu geben. Am bekanntesten ist hier bestimmt die Umstellung der Münchener Stadtverwaltung auf ein Linux-Betriebssystem, dass extra für diesen Zweck angepasste LiMux. Dies sorgt jedoch immer wieder für Unruhe, u.a. weil es den Stadträten nicht möglich ist, Textbearbeitungsprogramme, Skype oder Office selbst nachzuinstallieren. Ob dies für eine sichere IT sinnvoll wäre, steht sicher auf einem anderen Blatt. Nicht zuletzt durch mangelnde Sachkenntnis bei den Nutzern kommt es zu schwerwiegenden Zwischenfällen wie etwa dem Hack des Bundestags-Netzwerks, bei dem sich die Angreifer vermutlich über infizierte E-Mails Zugang verschafften. Das viele Abgeordnete wohl auch private Accounts über die Rechner nutzten, erhöhte das Risiko noch einmal beträchtlich. Zum LiMux-Projekt ist kürzlich eine neue Studie erschienen, die jedoch – so dieser Kommentar – von zweifelhaftem Nutzwert ist. Das Projekt läft also weiter, liefert weiter Stoff für Diskussionen und ist vielleicht ein Schritt hin zu mehr Akzeptanz für quelloffene Software im Einsatz für die Allgemeinheit.

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