Verschlüsselung als Basistechnologie?

Neben dem Ausstellungsbetrieb haben sich seit einigen Jahren die „CeBIT Global Conferences“, eine oft hochkarätig besetzte Konferenz rund um das Thema IT und Gesellschaft, etabliert. Auch 2016 ging es neben der Vorstellung neuer Innovationen auch immer wieder um das Verhältnis von Mensch und Technik.

So befasste sich etwa das Panel „Freiheit – Gleichheit – Totalüberwachung“ mit den Schattenseiten des weltweiten Datenverkehrs und der Digitalisierung: Hier wurden auf der einen Seite undurchsichtige Geheimdienstaktivitäten ausgemacht, denen gegenüber immer durchschaubarere Bürger stehen. Beispiel Vorratsdatenspeicherung: Obwohl im Bundestag mindestens 404 Befürworter sitzen, war keiner von ihnen zugegen – aus welchen Gründen auch immer. So war man sich im Panel grundsätzlich einig, was das Thema Verschlüsselung und Überwachung betrifft.

Peter Schaar, Anke Domscheit-Berg und Marit Hansen

Peter Schaar, Anke Domscheit-Berg und Marit Hansen

Peter Leppelt, Geschäftsführer des hannoverschen Krypto-Startups Qabel betonte, dass Techologien wie z.B. PGP zwar vorhanden und erprobt, aber immer noch sehr umständlich zu nutzen seien. PGP steht für „Pretty Good Privacy“, ein verbreitetes Werkzeug zur E-Mail-Verschlüsselung. Mit einem Session Key, also einem Einmal-Schlüssel, werden E-Mails verschlüsselt. Dies erfolgt in Kombination mit einem öffentlichen Schlüssel auf Empfängerseite. Solche Mechanismen bringen es auch mit sich, dass auch der ganze Freundeskreis, alle Kollegen und Bekannten, überzeugt werden müssen, hier mitzuziehen und das Werkzeug ebenfalls zu nutzen.

Im Verlauf des kurzen Meinungsaustausches stellten die Teilnehmer heraus, dass Kryptographie kein umständlich zu nutzendes Extra sein sollte, sondern ein leicht bedienbares Werkzeug, welches bestenfalls bereits in die Anwendungen integriert ist. Laut Peter Schaar (Europäische Akademie für Informationsfreiheit und Datenschutz) ist Verschlüsselung „eine Basistechnologie, die wir brauchen“ und die gefördert und nicht verboten werden sollte.

Marit Hansen, Moderator Markus Kavka, Peter Leppelt, YYYY CCCCC

Marit Hansen, Moderator Markus Kavka, Peter Leppelt, Markus Beckedahl und Mike Hahm

Mike Hahm (Konica Minolta) betonte etwa den Mehrwert dieser Technologie nicht nur für Unternehmen, die ihre Daten schützen müssten, sondern auch für die Endanwender. Allerdings verbirgt sich hinter der Cloud-Lösung des Unternehmens ein Treuhandmodell von Microsoft. Es wird bezweifelt, „ob diese technischen Besonderheiten und die rechtliche Konstruktion einer Datentreuhänderschaft letztlich einen Zugriff auf in Deutschland [g]elegene Daten aus den USA heraus abwenden können“. Zum Verhältnis von Geheimdienstaktivitäten und Freiheit sagte Anke Domscheit-Berg: „Sicherheit ist nicht für sich selbst da, sondern um Freiheiten zu sichern“. Markus Beckedahl (netzpolitik.org) ergänzte in Bezug auf das neue EU-US Privacy Shield „Offensichtlich war die EU-Komission unter Druck, etwas vorlegen zu müssen und sie haben halt ein neues Logo und eine neue Marke geschaffen“.

Facebook könnte Wahlen beeinflussen

Wenn es um das Thema Datenschutz geht, steht auch das Unternehmen Facebook immer wieder im Fokus der Kritik. Domscheit-Berg machte in diesem Zusammenhang auf eine bereits 2010 durchgeführte Studie aufmerksam. Demnach kann das Wahlverhalten und damit auch Wahlergebnisse von Facebook messbar beeinflusst werden, wenn etwa nur ein bestimmtes politisches Lager eine entsprechende Wahlaufforderung geschickt bekommen würde. Eine Einschätzung der politischen Orientierung der Nutzer stelle für Facebook keine besondere Herausforderung dar.

Neben WhatsApp und Youtube erfreut sich Facebook insbesondere bei den jungen Internetnutzern weiterhin relativ großer Beliebtheit. Laut Marit Hansen, Landesbeauftragte für Datenschutz in Schleswig-Holstein, fängt der bewusste Umgang mit den eigenen Daten folgerichtig bereits in der Schule an. Zum Schulfach „Internet-Erziehung“ ergänzt die Aktivistin Domscheit-Berg: „Das Internet gehört in alle Fächer rein“ und müsse überall in der Bildung eine Rolle spielen.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.