Grenzenlose Freiheit mit Auto Scaling?

Wenn man der Werbung glauben schenkt, dürfte es im Hosting kaum noch offene Wünsche geben. Managed Server mit Root-Zugriff? Hosting zum selbst gewählten Preis? Intelligente Systeme, die die Rechenleistung selbst regulieren? Alles kein Problem. Insbesondere die mit Auto Scaling bezeichnete Selbstversorgung mit Ressourcen wird häufig gleichgesetzt mit Cloud Hosting an sich. Dass diese Technik neben den zunächst offensichtlich erscheinenden Vorteilen auch viele Nachteile mit sich bringt, wird gerne verschwiegen.

So einfach, wie es in der Wikipedia steht, ist es nicht. Auto Scaling wird hier beschrieben mit einer „Methode im Cloud Computing-Umfeld, die dafür sorgt, dass die Anzahl der Server innerhalb einer Server-Farm automatisch skaliert wird“. So sorgten die Cloudserver dafür, dass bei steigender Serverlast weitere Ressourcen in Form ganzer Rechnereinheiten hinzugefügt werden. Diese werden, sobald die Anforderungen wieder sinken, ebenso automatisch wieder abgeschaltet und stehen dann für andere Kunden zur Verfügung. Klingt vernünftig – nur wie so oft, steckt auch hier der Teufel im Detail: Ein Grund, einmal näher hinzuschauen.

Mehr Server = schnellere Seite

Nach dieser Definition kommt ein sich selbst regulierendes System nur für Cluster-Systeme in Frage, bei welchen zwei oder mehr Server für die performante Abarbeitung der Anfragen zuständig sind. Von der Technologie profitieren bei dieser Herangehensweise dann nur die Projekte, die bereits eine entsprechende Größe erreicht haben. Skalieren lässt sich jedoch alles, nicht nur die Anzahl der Server. Bei näherer Betrachtung ist dieses System zwar effektiv, aber auch ein wenig schlicht. Denn oftmals bringt mehr Leistung bei bestimmten Serverkomponenten im Vergleich weitaus mehr. So ist es bei gesteigerten Datenbankabfragen etwa eher sinnvoll, den Arbeitsspeicher zu vergrößern, als die CPUs zu verstärken. Hierfür ist allerdings gesunder Menschenverstand gefragt, denn im Einzelfall können ganz andere Strategien die jeweils beste Lösung bedeuten.

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Auto Scaling erfordert die Kontrolle durch einen Experten!

Auto Scaling über alle Bereiche

Ein intelligentes Auto Scaling würde flexibel einzelne Systemkomponenten dem tatsächlichen Bedarf anpassen und wäre damit bereits auf Serverebene einsetzbar. In größeren Systemen könnten weiterhin Server automatisiert nach Bedarf aufgeschaltet werden, die sich dann wiederum selbstständig der speziellen Aufgabe entsprechend konfigurieren. In der bekannten Sitcom „Tool Time“ wird in jeder Folge vorgeführt, dass „mehr Power“ ohne „mehr Nachdenken“ schnell zu kleineren und größeren Reinfällen führen kann. So besteht auch bei dem oben beschriebenen Szenario eine weitere Gefahr. Derartige selbstregulierende Systeme – ob nun auf Serverebene oder ganzheitlich über die komplette Systemarchitektur skalierend – erweitern ihre Kapazitäten nach Bedarf. Ob dieser Bedarf vom lange geplanten Fernsehauftritt kommt oder von einer DDoS-Attacke, danach kann zunächst nicht differenziert werden. Anwender müssen hier auch immer ein Auge drauf haben, dass ihr selbstregulierendes System nicht zum Selbstbedienungsladen für die organisierte Kriminalität wird. Denn durch Botnetze infizierte Anwendungen können innerhalb dieses Systems nahezu unbegrenzt wachsen – der erschrockene Betreiber erfährt davon dann im schlimmsten Fall erst durch die nächste Rechnung.

Cloud Hosting auf Autopilot

Ein bisschen verhält es sich wie bei einem Flugzeug auf Autopilot: Solange gutes Wetter über den Wolken herrscht und keine unvorhergesehenen Ereignisse am Horizont auftauchen, ist alles gut. Sobald es aber zu Turbulenzen kommt, ist das Eingreifen der Piloten, oder, in unserem Fall, des Hosting Experten, erforderlich. Im Cloud Hosting bieten wir zur Zeit die Lösung an, dass wir die Systeme engmaschig überwachen. Dieses routinemäßige und automatisierte Server-Monitoring können wir nutzen, um bei auftretenden Unregelmäßigkeiten die Leistung entsprechend anzupassen. Gleichzeitig ist so auch sichergestellt, dass das System keinem Botnetz und keiner DDoS-Attacke zu mehr Power verhilft.

Wer haftet für Missbrauch?

Die Verursacher derartiger missbräuchlicher Nutzung sind oft nicht zu ermitteln. Wer in einem solchen Fall haftet – der Betreiber der korrumpierten Anwendung oder der Anbieter der Auto Scaling Cloud – ist noch nicht endgültig geklärt. Auch hier ist deshalb stark dazu zu raten, eine entsprechende Überwachungsroutine zu etablieren. Diese könnte z.B.eine intelligente Traffic-Überwachung sein, welche den Datenverkehr nach natürlichen Mustern filtert und bei verstärkt auftretenden verdächtigen Anfragen Alarm schlägt.

Unser Fazit: Es kommt drauf an!

Auto Scaling wird in naher Zukunft wichtiger und alltäglicher werden. Sobald die Kinderkrankheiten überstanden sind, wird diese intelligente Methode der Server-Selbstverwaltung eine wichtige Ergänzung zum Cloud Hosting. Wir entwickeln derzeit eine Auto-Scaling-Lösung, welche die Kontrolle durch einen Experten einbezieht. Auf lange Sicht kann die steigende Nachfrage nach IT-Leistungen in allen Bereichen nur durch intelligente, sich teilweise selbst regulierende Systeme erfüllt werden. Dennoch sollte auch hier nicht nach dem Gießkannen-Prinzip verfahren werden. Serversysteme, die einzelne Elemente, wie etwa RAM, CPU, Speicherplatz selbst organisieren können, sind klar im Vorteil gegenüber der simplen „Mehr Power“ – Methode. Wenn die Betriebssicherheit durch entsprechende Routinen und Expertise im Monitoring gewährleistet wird, kann intelligentes und manuell gestütztes Auto Scaling effizient und effektiv genutzt werden.

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