Webshops international

In einer bereits 2012 erfolgten Befragung des Bundesverbandes E-Commerce und Versandhandel Deutschland (bevh) gaben 80% der befragten Einzelhändler an, ihre Waren bereits grenzübergreifend zu verkaufen. Auch wenn dies noch keine Expansion in internationale Märkte darstellt, so zeigt sich hier bereits eine Tendenz: Der Verkauf von Waren über nationale Grenzen hinaus ist alltäglich geworden. Dies zeigt sich nicht zuletzt auch in der lange geplanten europäischen Verbraucherrechterichtlinie, die zu Sommerbeginn 2014 in Kraft getreten ist. Mit dieser ist zumindest für den Handel innerhalb der europäischen Union das Hindernis der unterschiedlichen Bestimmungen der einzelnen Länder ein Stück weit aus dem Weg geräumt worden.

Über den Tellerrand hinaus

Ein Mann mit Zigarette im Mund legt an einem Obststand einen Salatkopf in die Auslage

Andere Länder, andere Märkte – das gilt auch online. Foto by Dennis Jarvis © CreativeCommons BY | SA 2.0

Wer als Onlineshop-Betreiber jedoch ernsthaft darüber nachdenkt, seine Waren oder Dienstleistungen auch auf Märkten jenseits der Landesgrenzen zu vertreiben, sieht sich vor einige Herausforderungen gestellt. Denn alleine damit, geeignete Logistikpartner mit konkurrenzfähigen Angeboten zu finden, ist es noch lange nicht getan. Jeder Markt hat seine eigenen, oft ungeschriebenen Gesetze, die tief in der Landeskultur und regionalen Eigenheiten verwurzelt sind. So fallen zum Beispiel die Nutzerbewegungen in der Online-Shopping Prime Time in verschiedenen Ländern unterschiedlich aus. Während sich etwa in Frankreich und Italien das abendliche Abendessen in einem zeitweiligen Rückgang der Nutzerzahlen am Abend bemerkbar macht, sind die Konsumenten in Deutschland und dem Vereinigten Königreich nicht so sehr auf feste Zeiten festgelegt. Ähnliches lässt sich zur Mittagszeit beobachten, wo es in den romanischsprachigen Ländern zu regelrechten Besuchereinbrüchen gegen 12 bzw. 13 Uhr kommt. Auch wenn dies für ein anspruchsvolles Server-System selbstverständlich keine Schwierigkeit darstellen dürfte, so zeigen sich an diesem Beispiel doch die unterschiedlichen Gewohnheiten der Online-Shopper in den jeweiligen Ländern. Was im Tagesablauf bereits bemerkbar ist, setzt sich auch im Jahresverlauf mit unterschiedlichen Feiertagen und Ferienzeiten fort. So macht sich die Weihnachtssaison mit den für deutsche Shopbetreiber typischen Besucheranstürmen etwa in Großbritanien weitaus weniger stark bemerkbar: Während in Deutschland der Hauptumsatz im E-Commerce im vierten Quartal gemacht wird und 30% aller Einkäufe zwischen Oktober und Dezember getätigt werden, ist bei den Briten nur ein Plus von 10% zu verzeichnen.

Aber auch im Einkaufsverhalten existieren mannigfaltige Unterschiede. Für deutsche Onlinehändler positiv: in den Nachbarländern wird nicht so viel zurückgeschickt wie hier. Denn die Deutschen sind, was den Onlinehandel anbetrifft, Umtausch-Experten. Daran hat bisher auch die Novelle der Verbraucherrechte nichts geändert, da die Onlinehändler – zumindest bisher – in der Praxis weiterhin ein großzügiges Umtauschrecht einräumen. Auch wenn’s an’s Bezahlen geht gibt es unterschiedliche Vorlieben: Während Österreichische Banken einen häufig genutzten eigenen Online-Payment Service etabliert haben, wird in Deutschland oft per Rechnung bezahlt – natürlich erst dann, wenn man sich entschlossen hat, die Ware auch wirklich zu behalten. In den skandinavischen Ländern werden häufiger Kreditkarten genutzt, ebenso in Italien und Frankreich, wobei es in Frankreich mit der Card Bleue ebenfalls eine Insellösung gibt. Hier gilt daher: Bieten Sie der Kundschaft möglichst viele Bezahlmöglichkeiten an und achten Sie auf spezielle Eigenarten wie in Österreich und in Frankreich.

When in Rome …

Ein Schild mit chinesischen Schriftzeichen und den Worten &quoat;Translate Server Error"

Bereits ein Internet Meme: Übersetzung  eines Restaurantnamens mit „Translate Server Error“

Dies gilt insbesondere auch für die Sprache. In jedem deutschsprachigen Land gibt es verschiedene sprachlich-kulturelle Besonderheiten, auf die die Kunden im allgemeinen auch Wert legen. Lassen Sie sich am besten immer von Muttersprachlern beraten, wenn es um die Umsetzung ihrer internationalen Pläne geht – auch wenn Sie zunächst nur den „kleinen“ Schritt ins deutschsprachige Ausland machen. Schreiben Sie in Österreich Palattschinken wenn Sie Pfannkuchen verkaufen wollen – die Seitenbesucher und Suchmaschinencrawler werden es Ihnen danken! Nutzen Sie niemals automatische Sprachübersetzer – das Kauderwelsch, welches von diesen Maschinen produziert wird, ist kaum geeignet, Ihre Kunden von Ihrer Kompetenz zu überzeugen. Verwenden Sie, insbesondere auch für eine gute Aufstellung in der Suchmaschine, eine lokale Telefonnummer und nach Möglichkeit auch eine lokale Kontaktadresse im Impressum der Webseite. Nutzen Sie eine .com Domain oder eine andere generische Domain, um bei Google oder Bing zu punkten. Länderspezifische Toplevel-Domains wie .de und .ch sind für Webseiten, die sich an ein nationales Publikum richten, gedacht – so zumindest die Logik der Suchmaschinen-Algorithmen. Sie können hier beispielsweise Subdomains verwenden, um die einzelnen Bereiche Ihrer Webseite voneinander zu trennen. Aber überlassen Sie den Besuchern der Webseite die Wahl, welche Sprache sie bevorzugen. Leiten Sie sie nicht mittels Browsersprachenabfrage oder IP-Auswertung auf die vermeintlich passende Seite um, sondern binden Sie einen gut erreichbaren Sprachschalter ein. Dieser kann dann mittels eines Cookies die bevorzugte Sprache auf dem Gerät speichern, was den Vorteil bietet, dass diese Einstellung auch wieder geändert werden kann. Außerdem haben Suchmaschinen keine Browsersprache und finden dann den kompletten anderssprachigen Bereich unter Umständen garnicht, sofern kein entsprechend ausgezeichneter Sprachschalter-Link vorhanden ist. Für die Suchmaschinenoptimierung ganz allgemein gilt, dass die Maschinen versuchen, menschliches Verhalten und menschliche Erwartungen an eine Webseite nachzustellen. Für regionale Märkte bedeutet das natürlich, dass die Sprache der Besucher gesprochen wird.

Was kann Ihr Hoster tun?

Wenn Ihre Expansion sehr erfolgreich ist, so sollten Sie sich rechtzeitig um ein Serversystem kümmern, mit welchem die gestiegenen Besucherzahlen auch performant abgearbeitet werden können. Denn Geschwindigkeit ist keine Hexerei, sondern besonders im Internet ein wichtiges Argument bei den Seitenbesuchern. Hier empfiehlt es sich auch, über den Einsatz eines CDN (Content Delivery Network) nachzudenken. Mit dieser Zusatzoption speichern Sie Seiteninhalte nicht zentral auf einem Server, sondern nutzen eine weltweit vernetzte Serverstruktur zur Auslieferung der Webseiten-Inhalte. Dies beschleunigt nicht nur die Bereitstellung großer Dateien wie etwa Videos oder Produktdetailbilder, sondern die Internetseite ist in Gänze wesentlich schneller geladen. Sie wird vom geographisch nächstgelegenen Server zum Nutzer ausgeliefert. Insbesondere in Verbindung mit einer Caching-Instanz kann dies auch in lokalen Märkten zu einer erheblichen Performancesteigerung führen.

Fazit:

An dieser Stelle konnten wir Ihnen sicher nur einen kurzen Einblick in das Thema Internationale Webhosting bieten – hier könnte bestimmt für jeden nationalen Markt einen Auflistung der Besonderheiten angelegt werden. Grundsätzlich gilt aber, was immer gilt: Nehmen Sie Ihre Kunden ernst und versuchen Sie nicht, mit Übersetzungsmaschinen und ohne Kenntnisse der landesüblichen Gepflogenheiten zu punkten. Setzen Sie sich mit den Wünschen und Erwartungen der Menschen auseinander, denen Sie etwas verkaufen möchten – wo auch immer Sie das tun. Dann kann aus dem kleinen Grenzverkehr möglicherweise auch ein großer Erfolg werden.

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