Kommunikationnetzwerke auf Twitter

Die „Leute da draußen“ (also auch wir) kommunizieren fortwährend miteinander, via E-Mail, SMS usw., aber auch in einer größeren Öffentlichkeit, wie im sozialen Netzwerk Twitter. Sie diskutieren dabei nicht nur ihre persönlichen und beruflichen Angelegeneiten, sondern auch über politische Positionen, über Hobbies und nicht zuletzt über Marken und bekannte Persönlichkeiten. Um besser zu verstehen, wie sich rund um ein Thema Gruppierungen bilden, hat eine Forschergruppe eine Studie durchgeführt.

Auf Twitter bleibt man unter sich: Eine Diskussion findet meist zu großen Teilen unter Menschen statt, die sowieso einer Meinung sind. Dies ist ein Ergebnis der Studie des Pew Research Center, in welcher die Kommunikation US-amerikanischer Twitter-Nutzer untersucht wurden. Diese geschlossenen Gruppen nutzen in der Diskussion eigene, spezifische Hashtags und verweisen auf unterschiedliche Webseiten. Dies gilt insbesondere für politische Diskussionen.

Im allgemeinen sind Reaktionen auf aktuelle Ereignisse in dem sozialen Netzwerk häufig gegenläufig zur Mainstream-Meinung und tendieren zu einer eher liberalen Einschätzung, so die Studie. Hauptanliegen war es, eine Definition von Nutzergruppen zu formulieren. So sollen unter anderem Rückschlüsse auf die Organisation von Gruppen gezogen werden können. Dazu hat das Institut mit der Methode der Sozialen Netzwerkanalyse (Network Mapping) große Datenmengen ausgewertet, was am Ende zur Bestimmung von sechs unterschiedlichen Gruppierungen geführt hat.

Sechs unterschiedliche Nutzergruppen auf Twitter

Junge Frau nutzt Smartphone im Park

Zu welcher Gruppe gehört sie jetzt gerade …?

Die zu Anfang beschriebene kontroverse Gruppe, die sich um politischen Diskussionen bildet, ist die erste dieser Gruppierungen. Opositionelle Gruppen nehmen hier in der Diskussion kaum Bezug aufeinander, markieren die Diskussion mit anderen Begriffen und verweisen auf unterschiedliche Nachrichenquellen.

Diese Gruppierung rund um politische Themen besteht gewissermaßen aus zwei einander gegenüberstehenden Gruppen der zweiten Kategorie, der geschlossenen Gruppe. Diese bildet sich z.B. in der Kommunikation über Hobbies, berufliche Themen oder Veranstaltungen wie etwa Barcamps. Sie ist sehr homogen und weist eine hohe Zahl von Querverbindungen der einzelnen Teilnehmer auf.

Ganz im Gegensatz dazu definiert sich die dritte Kategorie in der Kommunikation über Marken. Diese Marken-Bündel („Brand Clusters“) sind inhomogen, ihr gemeinsamer Nenner ist der Bezug auf bekannte Marken(namen) oder prominente Personen.

Populäre Themen resultieren häufig in der Bildung von Gemeinschaften („Community Cluster“), die miteinander in Verbindung stehen, beispielsweise aber unterschiedliche Nachrichtenquellen nutzen, die über dasselbe Thema berichten.

Ein Nachrichten-Netzwerk bildet sich rund um massenmediale Kanäle. Die Gruppenmitglieder beziehen sich in Ihrer Kommunikation auf Meldungen bspw. einer Zeitung oder eines Fernsehsenders. Diese Gruppe fungiert häufig als eine Ansammlung von Multiplikatoren, die eine Nachricht weiterverbreitet. Für Deutschland ist im Fachgebiet Wirtschaftsinformatik der TU Darmstadt eine Untersuchung erschienen, die einige diese Nachrichten-Netzwerke anhand ihrer Verbreitung auf Twitter untersucht.

Und was heißt das jetzt?

Verallgemeinernde Definitionen wie die Unterteilung sehr vieler Twitter-Nutzer in nur sechs unterscheidbare Gruppen sind natürlich immer mit Vorsicht zu genießen. Trotzdem zeigt sich hier wieder einmal ganz deutlich, dass Soziale Netzwerke anders funktionieren als klassische Sender-Empfänger Modelle. Die Unterteilung kann Hinweise darauf geben, worin genau diese Unterschiede liegen und wie sich Gruppen formieren. Auch sind die hier vorgestellten Typen nicht ausschließlich angelegt, sondern einzelne Nutzer können immer zu mehreren dieser Gruppen gehören und werden dies auch aller Wahrscheinlichkeit nach tun. So werden hier keine Zielgruppen vorgestellt, sondern Muster von Kommunikationsnetzwerken. Dabei muss beispielsweise die Unabgeschlossenheit der Marken-Gruppe kein „Problem“, etwas für den Onlinehandel, darstellen. Sie zeigt nur, dass eine Marke für die unterschiedlichsten Menschen eine Bedeutung haben kann.

(Danke an Pro2koll.de für den Hinweis auf die Untersuchungen!)

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.